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Die Prinzessin, die immer dünner wurde (Springhart, Natalie / Beyeler, Stefanie)
Prinzessin Dörte steht im Schatten ihrer jüngeren Schwester Gwendolein. Diese ist ihrer Schönheit und Zartheit wegen der Liebling aller. Auch die kräftige Dörte mag man, doch steht sie Gwendolein in vielem nach. Das bekümmert sie. Da tritt eine böse Fee in Dörtes Leben und rät ihr, schlanker zu werden. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf: Dörte wird ess- und brechsüchtig. Der ganze Hof gerät in diesen Strudel, lange Zeit ohne zu merken, worum es eigentlich geht. Schliesslich kann ein Prinz Dörte aus ihrem Wahn erlösen und zurück in die Gesellschaft führen. > „Vorsicht, Zauberspiegel sind überall“ steht am Schluss des Buches. Zauberspiegel täuschen etwas vor, sie verfälschen Selbstwahrnehmung und Selbstvertrauen der Betroffenen. Da ist der Schritt in die Krankheit klein. Die Form des Märchens lässt die Autorinnen – auch sie Schwestern! – Schritt für Schritt aufzeigen, wie es zu Magersucht-Bulimie kommt. Ein hochaktuelles Buch, das dieses komplexe Thema ohne Moralin angeht.
Ulrich Zwahlen
Neue Luzerner Zeitung 22. Dezember 2011

natürlich Das Magazin für ganzheitliches Leben, Dezember 2011


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Fritz+Fränzi Das Elternmagazin, Juni 2011

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Schweizer Illustrierte 6. Juni 2011
Die Prinzessin, die immer dünner wurde
«Doch die jüngste Prinzessin war die Schönste von allen …»
Ein Motiv, das man aus vielen Märchen kennt: Die jüngste Tochter ist die Hübscheste, der jüngste Sohn der Tapferste. Aber was ist mit den anderen, den Randfiguren der Handlung, die immer nur als Nachsatz erwähnt werden? Auch sie haben eine Geschichte zu erzählen …
Die jüngere Prinzessin hatte goldenes Haar, das sich zu Engelslocken kringelte, ihre Augen waren blau wie der Himmel an einem sonnigen Nachmittag im Mai, und ihre Wangen besaßen den zarten Hauch der schönsten Rose im Schlosspark, die nach der Prinzessin benannt war: Gwendolein.
Nicht zuletzt diesem Namen war es zu verdanken, dass bereits 387 Gedichte und zahlreiche Lieder über die jüngere Prinzessin geschrieben worden waren, denn es half den schmachtenden Dichtern und Minnesängern sehr, dass sich auf «Gwendolein» Dinge reimten wie «Mondenschein», «Liebespein» und natürlich «ewig dein» und «sei doch mein».
Die ältere Prinzessin war «auch sehr hübsch», wie die Leute zu sagen pflegten. Ihre Haare waren nicht golden, sondern kupferfarben und etwas drahtig. Ihre Augenfarbe erinnerte auch an den Mai, allerdings an den braunen Panzer eines Maikäfers. Ihre Wangen schließlich waren vom gesunden Rot eines saftigen Apfels, und davon gab es sowohl im Schlosspark als auch im restlichen Königreich viel mehr als von den zarten, seltenen Gwendolein-Rosen. Kurz: Es ließ sich schlecht etwas Erhabenes über die ältere Prinzessin dichten. Erschwerend hinzu kam ihr Vorname.
Die ältere Prinzessin hieß nämlich Dörte.
Ein Bilderbuch für Mädchen und Frauen über eine verzweifelte Prinzessin, die beschließt abzunehmen, weil im ganzen Land immer nur von ihrer schöneren Schwester die Rede ist. Eine Geschichte über ihre untröstlichen Eltern, die besorgte Schwester, über tapfere, gut aussehende aber ziemlich hilflose Prinzen, beleidigte Frösche, ganz besonders böse Feen, ebenso böse Hofschneider, langweilige Gesangswettbewerbe, gut gemeinte Ratschläge, zu enge Kleider, fiese Spiegel, goldene Nachttöpfe und vieles mehr.
Die Schwestern Natalie Springhart und Stefanie Beyeler schildern eindringlich und mitreißend in Wort und Bild den Schmerz eines jungen Mädchens in einer Welt, die sich ihrer Kontrolle entzieht. Viele Frauen und Mädchen werden sich in Prinzessin Dörtes Selbstzweifeln wieder erkennen, genau wie in ihren verzweifelten Versuchen, mit verschiedensten Methoden an Gewicht zu verlieren. Doch dort, wo im Märchen normalerweise das Happy End steht, geht Dörtes Leidensgeschichte weiter: Denn was passiert eigentlich am Morgen nachdem man den Traumprinzen geheiratet hat? Ist dann wirklich alles auf einmal in Ordnung?
«Die Prinzessin, die immer dünner wurde» ist ein Märchen zu den ernsten Themen Schönheitswahn, Magersucht und Bulimie: Wenn der Wunsch nach Glück und der Anspruch auf Perfektion damit enden, dass sich alles nur noch um Essen oder eben nicht-Essen dreht.
Natalie Springhart, Text und Stefanie Beyeler, Illustrationen
Mit einem Vorwort von Dr. med. Bettina Isenschmid
Unterstützt vom Verein pep SUISSE
Gebunden, 112 Seiten, durchgehend farbig illustriert
ISBN 978-3-033-02858-6
